Neue Bebauungspläne verhindern Ansiedlung von Spielhallen in Duisburg-Wanheimerort

Von der Aufenthaltsqualität in Einkaufszonen: Ein Kommentar
Von Petra Grünendahl

Der Bebauungsplan südlich der Fischerstraße reicht von der Eschenstraße im Westen bis zur Düsseldorfer Straße im Osten.

Der Bebauungsplan südlich der Fischerstraße reicht von der Eschenstraße im Westen bis zur Düsseldorfer Straße im Osten.

Vermehrt habe es in letzter Zeit Anfragen zur Ansiedlung von „Vergnügungsstätten“ an der Fischerstraße in Wanheimerort gegeben, heißt es zur Beschlussvorlage, die dem Rat der Stadt vorlag. Der eine oder andere Leerstand auf der Basarstraße lädt auch dazu ein. Diverse Leerstände sind mittlerweile neu vermietet, andere stehen noch immer – teils auch schon länger – leer. Augenoptiker oder Hörgeräte-Akkustiker waren die letzten Einzelhändler, die sich in größerer Anzahl im Umkreis von recht neu errichteten Seniorenheimen und Altenwohnungen niedergelassen hatten. Weitere Ansiedlungen in dieser Richtung scheint es nicht mehr zu geben, zumal wohl langsam eine Sättigung des Marktes erreicht wird.

Fußgängerzone Fischerstraße in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl,

Fußgängerzone Fischerstraße in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl,

In der letzten Ratssitzung wurde ein Bebauungsplan verabschiedet (B-Plan 1198), der südlich von der Fischerstraße bis an die Düsseldorfer Straße die Ansieldung von „Vergnügungsstätten“ teils völlig ausschließen soll. Lediglich zwischen Erlen- und Fliederstraße soll der Betrieb ausnahmsweise zulässig sein. Der südliche Teil der Basarstraße bleibt damit überwiegend dem Einzelhandel und der bürgerlichen Gastronomie vorbehalten. Einen ähnlichen Bebauungsplan wird man aber mit Sicherheit in absehbarer Zeit auch für die nördliche Straßenhälfte beschließen müssen, denn auch dort gibt es Leerstände. Gut gemeintes Ziel ist es, die Nahversorger- und Aufenthaltsqualitäten in diesem Bereich zu stärken und zu erhalten. Das Problem fängt allerdings nicht erst dort an, wo sich Vergnügungsstätten ansiedeln wollen. Ansetzen muss man da schon viel früher – und vielleicht ist es auch noch nicht zu spät, obwohl der Branchenmix auf der Basarstraße schon lange recht einseitig ist, es in Wanheimerort beispielsweise weder eine Buchhandlung noch einen Schreibwarenladen gibt. Nur die Versorgung mit Lebensmittelgeschäften und Drogeriewaren ist vermutlich nirgends in Duisburg besser als hier.

uebrigens!Kommentar: Die Aufenthaltsqualität muss auch der Kunde pflegen!
Das Kind fällt nicht erst in den Brunnen, wenn Ladenlokale länger leer stehen. Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen, wenn Geschäfte dicht machen (müssen), weil die Erträge Kosten und Lebensunterhalt nicht mehr decken (können). Das muss nicht an schlechtem Wirtschaften des Geschäftsinhabers liegen. Viel häufiger liegt es heutzutage daran, dass nicht mehr ausreichend Kunden dort einkaufen. Der überwiegend inhabergeführte Einzelhandel kann aber nur dann überleben, wenn die Kundschaft von vor Ort dort auch einkauft. Geben die ersten Läden auf, sinkt auch die Kundenfrequenz in den anderen Geschäften: eine Spirale nach unten. Und wenn erst einmal der Branchenmix nicht mehr stimmt, orientieren sich Kunden auch gerne woanders hin. Auch das zum Schaden der verbliebenen Geschäfte.

Leerstände in der Fußgängerzone Fußgängerzone Fischerstraße in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl,

Leerstände in der Fußgängerzone Fußgängerzone Fischerstraße in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl,

Leerstände in der Fußgängerzone Fußgängerzone Fischerstraße in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl,

Leerstände in der Fußgängerzone Fußgängerzone Fischerstraße in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl,

Leerstände in der Fußgängerzone Fußgängerzone Fischerstraße in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl,

Leerstände in der Fußgängerzone Fußgängerzone Fischerstraße in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl,

Gerne lässt sich auch der Kunde von heute noch in inhabergeführten Fachgeschäften beraten – und kauft dann im Internet, weil es dort ein bisschen billiger ist. Natürlich kann es dort billiger sein, denn es entfällt die Geschäftsmiete und der Aufwand für Beratung. Wer sich diese Beratung aber langfristig sichern will, sollte auch bereit sein, dafür zu bezahlen. Gleiches gilt aber auch für den vielfältigen Bedarf, den ich unter Umständen noch vor Ort decken kann: Die Leute, die anfangen, diesen Bedarf außerhalb zu decken, ziehen den ersten Bogen zur Spirale nach unten. Da muss man gegenhalten, solange die Aufenthaltsqualität der Einkaufszonen noch zu retten ist.

Man kann die Entwicklung an der Wanheimer Straße in Hochfeld bedauern. Zu viele „Vergnügungsstätten“ gab es dort aber schon längst, als der Stadtrat über einen Bebauungsplan doch endlich gegensteuern wollte. Früher war alles besser? Wenn Geschäfte schließen, hat das zumeist den Grund, dass sie sich nicht mehr rechnen. Dann steht hier ein Laden leer und dort ein Laden leer: Der sinkenden Attraktivität geschuldet folgen im Dominoeffekt die nächsten Geschäfte, die aufgeben. Und schließlich ziehen halt jene in die Ladenlokale ein, die sich noch gute Geschäfte versprechen. Und das sind dann eher diejenigen, die ihr gutes Geld mit den weniger Betuchten verdienen: Spielhallen zum Beispiel. Und die Leute, die Geld haben, kaufen schon lange woanders ein …

Der Kunde muss schon seine Geschäfte vor Ort „pflegen“, wenn er will, dass sie ihm erhalten bleiben. Denn unterm Strich sieht es doch ganz einfach so aus: Jeder bekommt die Einkaufsstraße, die er verdient!

Niederrheinische IHK - Industrie- und Handelskammer Duisburg an der MercatorstraßeInhabergeführte Geschäfte leisten noch mehr
Und der lokale Einzelhandel und Gastronomiebetriebe bestimmen ja nicht nur maßgeblich die Aufenthaltsqualität von Fußgängerzonen und Stadtteilen, sondern leisten noch viel mehr: Einer Studie der IHK Niederrhein zufolge stärken Ladeninhaber vor Ort das Gemeinwohl, dem sich gerade die inhabergeführten Betriebe verpflichtet fühlen. Hier geht es zur Studie: http://www.ihk-niederrhein.de/Studie-Handel.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

Advertisements